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Finalist 2016: Sadegh Souri „Waiting Girls“

Finalist 2016: Sadegh Souri

Sie sind weiblich, neun Jahre alt und bereits strafmündig – im Iran. Auf Mord, bewaffneten Raubüberfall und Drogenhandel steht dort die Todesstrafe durch Erhängen, vollstreckbar mit Eintritt der Volljährigkeit. Die Wartezeit verbringen die Mädchen in Gefängnissen und Besserungsanstalten. In „Waiting Girls“ zeigt der iranische Fotograf Sadegh Souri diese überaus befremdliche Vorgehensweise des Islamischen Strafrechts.

„In das Jugendgefängnis in Shahr-e Ziba in Teheran zu gelangen, war ziemlich schwierig. Man muss Beziehungen haben. Einer meiner Freunde ist Dokumentarfilmer und gemeinsam mit dem Filmteam kam ich in das Gefängnis. Anfangs beobachteten die Gefängniswärter sehr genau, wo wir Aufnahmen machten. Die Atmosphäre dort war sehr deprimierend. Somayyseh, eine der Häftlinge, beschrieb sie so: ‚Die Mauern sind mit Schmerz getränkt.‘

Einige der Gefangenen waren einverstanden, sich fotografieren zu lassen, andere nicht. Während meiner Arbeit war immer ein Wächter dabei. Ich war etwa 20 Tage in dem Gefängnis, aber schon nach dem vierten Tag hatte ich mich mit den meisten Insassinnen angefreundet und konnte problemlos fotografieren. Dabei unterhielt ich mich mit den Mädchen und jungen Frauen. Sie erzählten von ihrer Geschichte und ihrem Elend, und dass sie völlig auf sich allein gestellt seien. Abends war ich immer sehr aufgewühlt und fragte mich, warum sie so behandelt worden waren.

„Als Fotograf muss ich der Welt helfen. Ich muss die traurigen Ereignisse, die um mich herum geschehen, öffentlich machen. Als Mensch verspüre ich den Wunsch nach einer vollkommen friedlichen Welt. Einer Welt ohne Krieg und ohne Hass.“

Die Fotostrecke „Waiting Girls“ habe ich in Schwarzweiß aufgenommen, weil es dort so farblos war. Auch wenn es etwas Buntes gab, konnten wir es nur in Schwarzweiß wahrnehmen. Schwarzweiß stellt zudem die Einsamkeit der Mädchen noch stärker heraus. Es ist mir nicht wichtig, dass meine Aufnahmen berühmt werden. Mir geht es um das Leben dieser jungen Frauen. Deshalb habe ich versucht, die nächsten Angehörigen der Opfer davon zu überzeugen, ihre Anklage zurückzuziehen, damit die Mädchen wieder ein normales Leben führen können.“

Sadegh Souri

1985 in Navahand, Iran, geboren, studierte Sadegh Souri Fotografie und Filmwissenschaften an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Zahedan. Nachdem er sein Diplom in Fotografie erworben hatte, arbeitete er ab 2006 für die Lokalzeitung in Zahedan, anschließend für die Mehr Iran News Agency. Seit 2010 ist Souri freischaffend. Zahlreiche Ausstellungen und Fotoprojekte, darunter „Silence after the Bombing“ und „Fuel Smuggling“ sowie die Gemeinschaftspublikation „Gem of the East“.