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Jens Olof Lasthein „Meanwhile Across the Mountain“

Jens Olof Lasthein: Waiting for the Future, Gewinner des Leica Oskar Barnack Award 2010

Bereits seit 1980 wird der Leica Oskar Barnack Award im Namen des Erfinders der Kleinbildkamera vergeben – 2010 gewann der schwedische Fotograf Jens Olof Lasthein. Seine prämierte Fotostrecke trägt den Titel Waiting for the future - pictures from Abkhazia und erzählt von den Menschen in der Republik Abchasien im Süden des Kaukasus. Ein Gespräch über sein gerade erschienenes Buch und das Herzstück einer Bilderserie.

Was bedeutet es für Sie, den Leica Oskar Barnack Award gewonnen zu haben?

Ich war überrascht, dass meine Bilder so sehr geschätzt wurden, dass ich den Preis gewonnen habe – sie sind so undramatisch. Das hat mich ermutigt und die Anerkennung war schmeichelhaft. Die Kehrseite der Medaille war, dass ich einige meiner Klienten verloren habe. Ich habe später herausgefunden, dass sie dachten, ich sei zu teuer geworden.


Beim Barnack-Preis werden Serien prämiert – welche Rolle spielt für Sie die Serie im Vergleich zum Einzelbild?

Einzelne Bilder sind immer das Herzstück einer Serie, sie müssen den Betrachter berühren. Aber eine Serie kann noch mehr: Aufgebaut als eine Einheit aus einzelnen Bildern kann eine gute Serie die Tiefe und Nuancen steigern – das Tempo kann angehoben und wieder wieder gesenkt werden, die einzelnen Bilder unterstützen sich oder stehen in Spannung zueinander – somit kann die Serie eine komplexere fotografische Vision erschaffen.
 


Was bedeuten Fotobücher für Sie?

Für mich ist das der ideale Weg, um fotografische Arbeiten zusammenzubringen und zu präsentieren. Für den Autor haben die unbegrenzten Möglichkeiten, eine Geschichte darzustellen, einen großen Reiz, für den Betrachter ist der größte Vorteil die Intimität.


Hatten Sie beim Fotografieren immer das Buch im Kopf?

Ja, das hatte ich. Natürlich habe ich noch nicht gewusst, wie es aussehen würde, ich war weit davon entfernt. Aber seitdem ich mein erstes Buch veröffentlicht habe, habe ich herausgefunden, dass die Buchform am besten zu meinen Langzeitprojekten passt.


Worum genau geht es in Ihrem neuen Buch Meanwhile Across the Mountain?

Zusammengefasst geht es um den Kaukasus, eine komplexe und faszinierende Grenzregion. Mit Problemen belastet, aber dennoch voller Leben. Es geht um Republiken und wegbrechende Republiken, um die Menschen, die dort leben. Es geht um den Alltag in der harten politischen Realität von ungelösten Kriegen und Konflikten, die auf den Zusammenbruch der Sowjetunion folgten. Letztlich geht es aber auch um allgemeine emotionale Zustände und Gemütsverfassungen, die aus einem Leben unter schwierigen Bedingungen resultieren.

Welchen Ratschlag würden Sie jungen Fotografen mitgeben?

Ich glaube, dass wir persönlich sein müssen, um andere Menschen zu berühren. Deshalb würde ich jeden dazu drängen, sich treu zu bleiben, statt irgendeinem Trend zu folgen. Davon abgesehen muss man die eigene Komfortzone verlassen und ins Unbekannte aufbrechen, um neue Einblicke und Fähigkeiten zu gewinnen.

Das Buch Meanwhile Across the Mountain ist bei dem schwedischen Verlag Max Ström erschienen. 

Jens Olof Lasthein

Jens Olof Lasthein wurde 1964 geboren und arbeitet seit 1992 als freischaffender Fotograf. Er war in etwa 50 Solo-Ausstellungen auf der ganzen Welt vertreten und hat drei Bücher veröffentlicht: „Moments in Between“ über die Balkankriege in den 90ern, die Dokumentation „White Sea Black Sea“ über die Grenzstaaten zwischen Ost- und Westeuropa und „Home Among Black Hills“ mit Bildern von Charleroi in Belgien. Sein viertes Buch „Meanwhile Across the Mountain“ mit Bildern aus dem Kaukasus soll 2016 veröffentlicht werden und wird die Fotostrecke aus Abchasien enthalten, mit der er 2010 den Leica Oskar Barnack Preis gewann.

www.lasthein.se