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Preisverleihung Berlin 2016

Preisverleihung 2016

Der seit 1979 existierende internationale Fotowettbewerb kam 2016 zurück nach Deutschland. Damit kehrte der Award bewusst zu den Wurzeln seines Namensträgers zurück – in die Nähe des Geburtsorts von Oskar Barnack in Lynow, Nuthe-Urstromtal.

In Berlin begann der berufliche Werdegang des Erfinders der berühmten Kleinbildkamera, der „Ur-Leica“. Hier besuchte Barnack die heute noch existierende Giesensdorfer Schule in Berlin, in deren Nähe 1959 eine Straße ihm zu Ehren in „Barnackufer“ benannt wurde.

Rund 3.200 Fotografen aus insgesamt 108 Ländern haben sich 2016 für den Leica Oskar Barnack Award beworben. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung und Ausstellungseröffnung mit über 300 geladenen internationalen Gästen wurden am 28. September 2016 die beiden Gewinner bekanntgegeben.

Die Gewinnerin der Kategorie Leica Oskar Barnack Award 2016 ist Scarlett Coten mit ihrer beeindruckenden Serie „Mectoub“. In ihrer Bildserie beleuchtet die französische Fotografin Rollen- und Männlichkeitsbilder in der arabischen Welt. Ihre Porträts lenken den Blick auf die Brüche zwischen gesellschaftlicher Konformität und individueller Sehnsucht. Im Zuge des Arabischen Frühlings begann sich Scarlett Coten mit verschiedenen Aspekten der sich verändernden Gesellschaften in Nordafrika und im Nahen Osten zu beschäftigen. Aus der Perspektive eines weiblichen Kamerablicks gelang es ihr, sehr direkte Porträts der von ihr fotografierten Männer zu inszenieren. Mit „Mectoub“, einem Wortspiel aus dem arabischen „maktub“, das für das schicksalhafte „Es ist geschrieben, …“ steht, und dem französischen „mec“, das umgangssprachlich freundlich „den Macker“ bezeichnet, gelingt es Coten, das traditionelle Männerbild der arabischen Welt subtil zu hinterfragen.

Den Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2016 erhielt die Fotografin Clémentine Schneidermann für ihre Serie „The Unbearable, the Sadness and the Rest“. 2015 zog die in Paris geborene Fotografin nach Abertillery in Südwales. Sie hatte bereits ihr Studium in Newport abgeschlossen und begann im Rahmen eines Residenzprogramms, sich intensiv mit der Lebenssituation in der Region zu beschäftigen. Landschaftlich zwar äußerst reizvoll, belasten die Gegend jedoch enorme wirtschaftliche und soziale Probleme. Nach dem Ende des Kohlebergbaus stecken die Gemeinden der South Wales Valleys in einer postindustriellen Krise. Das Fotoprojekt „The Unbearable, the Sadness and the Rest“ verbindet in sehr ungewöhnlicher Weise die Stilmittel von Dokumentar-, Porträt- und Modefotografie.

2016 wurden neben den beiden Hauptkategorien erstmals auch die weiteren zehn Finalisten mit jeweils 2.500 Euro prämiert.

Die Leica Camera AG präsentierte die Bildserien aller zwölf Finalisten erstmals im Rahmen einer großen Ausstellung in der Neuen Schule für Fotografie in Berlin, die Bestandteil des offiziellen Programms des European Month of Photography (EMOP Berlin) 2016 war.