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Preisverleihung 2017

Preisverleihung 2017

Wie schon im vergangenen Jahr fand auch 2017 die Preisverleihung des seit 1979 existierenden internationalen Fotowettbewerbs in Berlin statt – ganz in der Nähe des Geburtsorts von Oskar Barnack in Lynow, Nuthe-Urstromtal.

Rund 2.700 Fotografen aus insgesamt 104 Ländern haben sich 2017 für den Leica Oskar Barnack Award beworben. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung und Ausstellungseröffnung mit über 300 geladenen internationalen Gästen wurden am 13. September 2017 die beiden Gewinner sowie die zehn Finalisten geehrt.

LOBA Berlin 2017 price giving

Der aus Norwegen stammende Terje Abusdal erhielt den renommierten Leica Oskar Barnack Award 2017 für seine Bilderserie „Slash & Burn“. Zwischen Tradition und Mystik, Herkunft und Zugehörigkeit, Fakten und Fiktion: In seinem Langzeitprojekt „Slash & Burn“ gelingt Terje Abusdal eine so geheimnisvolle wie eindrückliche Annäherung an die Waldfinnen, eine naturverbundende Volksgruppe in Norwegen.

Im Südosten Norwegens, an der Grenze zu Schweden, befindet sich eine dünn besiedelte Moränenlandschaft mit viel, sehr viel Wald. Das Gebiet wird als „Finnskogen“, Wald der Finnen, bezeichnet. Hier siedelten sich zwischen Ende des 16. und Mitte des 17. Jahrhunderts Finnen an. Aus Savo in Zentralfinnland kommend, schufen sie sich durch Brandrodung in den unberührten Nadelwäldern neue Nutzflächen für den Anbau von Roggen. Heute arbeiten die meisten Waldfinnen als Holzfäller, Förster und Bauern. Ihre originäre Kultur und Sprache ist weitgehend ausgestorben, nur wenige Traditionen, Rituale, Runengesänge und Erinnerungen an schamanische Bräuche haben sich erhalten.
 

Der Gewinner des Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2017 ist Sergey Melnitchenko mit seiner Serie „Behind the Scenes“. Kaum jemand ist Tänzerinnen in einem chinesischen Club so nahegekommen wie der ukrainische Fotograf Sergey Melnitchenko. Er folgte ihnen auf Schritt und Tritt hinter der Bühne und liefert seltene Einsichten in den Showbetrieb. Dabei profitiert er von seinen eigenen Erfahrungen als Tänzer. Mit Zehenspitzengefühl entstanden Einsichten in einem harten Beruf, der auf der Bühne im Scheinwerferlicht so leichtfüßig wirkt.

Irgendwo in China in einer schwülen Nacht, im Morgengrauen nach getaner Arbeit: schwitzende Transvestiten, Mädchen in Badewannen voller Bier, betrunkene Darsteller und eine noch größere Zahl betrunkener Besucher. Ramponierte Beine, durchtanzte Füße, kaputte Strumpfhosen im Abschminklicht. Kratzer und Narben, die meisten sind unsichtbar, denn sie befinden sich an geschundenen Seelen – Alltag in einem Amüsierbetrieb für Touristen und Einheimische in China, der jedoch überall sein könnte. Um solche Einsichten zu liefern, reicht es nicht, nah dran zu sein. Man muss, so wie Sergey Melnitchenko Teil des Ganzen sein. Seine Bilder geben seine Erfahrungen preis, ungeduscht und distanzlos.

Die Leica Camera AG präsentiert vom 14. September bis 15. Oktober 2017 die Bildserien aller zwölf Finalisten im Rahmen einer großen Ausstellung in der Neuen Schule für Fotografie in Berlin.