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Leica Oskar Barnack Award 2003: Andrea Hoyer „Stätten der Erinnerung“

Preisträger 2003: Andrea Hoyer

Mit ihrer in Russland entstandenen Fotoreportage „Stätten der Erinnerung“ hat die Fotografin Andrea Hoyer den Leica Oskar-Barnack Award 2003 gewonnen. Das 1998 begonnene Langzeitprojekt der in Deutschland geborenen Leica-Fotografin dokumentiert in feinfühlig komponierten Schwarzweißaufnahmen die Sehnsüchte, Perspektiven und Stimmungen der russischen Bevölkerung.

Die Aufnahmen zeigen Zitate der zerfallenen Sowjetunion wie stalinistische Denkmäler und Innenansichten der Roten Armee und spielen ebenso in der Weite der russischen Landschaft wie in Städten und Stränden am Schwarzen Meer. Die Bilder der in New York lebenden Fotografin fokussieren auf die Situation der Menschen: in ihrer Einsamkeit allein und in Gruppen, in ihrer Orientierungslosigkeit oder in der Geborgenheit im Freundes- und Familienkreis. Andrea Hoyer setzt dabei nicht auf plakative bildjournalistische Dramatik, sondern verdichtet mit aufmerksamer Beobachtung Stimmungen und auch deren Spiegelungen in der eigenen Seele. In diesem Sinne traf sie aus Sicht der Jury den Kern des Wettbewerbs um den Leica Oskar-Barnack Award, der von der Leica Camera AG für Reportagen über das Verhältnis von Mensch und Umwelt vergeben wird.

Die in Göttingen geborene Andrea Hoyer hat ein Studium der Orientalistik an der Columbia University in New York City abgeschlossen. Ihre fotografische Ausbildung hat sie unter anderem am New Yorker International Center for Photography (ICP) erhalten. Der Leica Oskar-Barnack Award ist die erste internationale Auszeichnung ihrer Arbeit.

In dem nach dem Erfinder der Leica benannten Wettbewerb wurden zwei ehrenvolle Erwähnungen ausgesprochen: an den dänischen Reportagefotografen Jan Grarup für seine vielschichtige Arbeit über die vergessenen Flüchtlinge der Welt und an die Britin Vanessa Winship für ihre Arbeit „Albanian Landscape“.

Andrea Hoyer

Andrea Hoyer, geboren in Göttingen, wuchs in Deutschland und den USA auf. Sie hat Fotografie in San Francisco und New York studiert, an der Columbia University schloss sie den Studiengang Middle Eastern Studies/Arabic mit Auszeichnung ab. 1995, nach einjährigem Usbekisch-Studium, fotografierte Hoyer zunächst in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten der UdSSR, in den folgenden Jahren dann vornehmlich in Russland. Arbeiten aus sechs Jahren in der ehemaligen UdSSR versammelt ihr 2011 erschienener Bildband „ReCollections“. Er war für den Deutschen Fotobuchpreis 2012 nominiert.

Seit 2012 arbeitet sie auch skulptural und modelliert die Köpfe imaginärer Personen in Ton. Diese Arbeit verbindet sich mit ihrem Interesse am individuellen und kollektiven Gedächtnis von Menschen und Völkern und adaptiert fotografische Prinzipien für ein anderes Medium.