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Leica Oskar Barnack Award 2008: Lucia Nimcova „Unofficial“

Preisträger 2008: Lucia Nimcova

Die Fotografin Lucia Nimcova wurde für ihr Fotoprojekt „Unofficial“ mit dem Leica Oskar Barnack Award 2008 ausgezeichnet. Die Aufnahmen der Gewinnerserie sind 2007 in der Slowakei entstanden. Am Beispiel ihrer Heimatstadt dokumentiert die Fotografin den Zeitstillstand, der dort nach dem Fall des kommunistischen Systems vorzuherrschen scheint. Denn auch Jahre später wirken Orte und Menschen unverändert, fast so als wäre die Zeit unbemerkt an ihnen vorbeigezogen, ohne Spuren zu hinterlassen.

Lucia Nimcova hat sich in den vergangenen Jahren intensiv mit dem Leben und der Entwicklung in Osteuropa beschäftigt. Ihre Recherche führte sie in die öffentlichen Archive ihrer Heimatstadt in der Slowakei. Beim Sichten von Dokumenten bemerkte sie, dass sich dort in den vergangenen Jahren nach der kommunistischen Diktatur und dem Beitritt der Slowakei zur Europäischen Union im Jahr 2004 scheinbar nichts verändert hat.

Sie kehrte zurück zu einigen der Orte, die sie noch aus ihrer Kindheit kannte und hielt dort die Faszination einer scheinbar vom Wandel unberührten Zeit fest. Sie traf auf Menschen, die noch die gleichen öffentlichen Funktionen ausüben wie Jahre zuvor, Orte und Institutionen sind in der Vergangenheit stehen geblieben und selbst bei Veranstaltungen und politischen Diskussionen ist längst vergangenes deutlich erkennbar. Alles scheint in einer Zeitschleife erstarrt, an der politische und wirtschaftliche Entwicklungen unberührt vorbei ziehen. Genau darin liegt die Faszination der Gewinnerserie, die mehr erzählt, als es auf den ersten Blick scheint. Die fotografische Suche nach Spuren des Wandels überzeugt formal wie inhaltlich. Mit einem Augenzwinkern hält die Fotografin alltägliches fest, bringt den Betrachter zum Schmunzeln und regt gleichermaßen zum Nachdenken an.

Lucia Nimcova

Lucia Nimcova hat ein ganz besonderes Gespür für die Auflösung der Grenzen zwischen Fotografie als Ereignis und ihrer Funktion als Dokumentation des privaten und offiziellen Lebens. Durch das Drücken eines Auslösers und das Treffen einer endgültigen Auswahl fängt sie die Augenblicke ein, die beide Sphären beinhalten. Dabei entstehen sowohl emotionale als auch scheinbar neutrale Aufnahmen. Lucia Nimcova wurde 1977 geboren. Sie lebt und arbeitet in Brüssel und Humenne. Nimcova hat an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten in Amsterdam, Niederlande, studiert.

Ihre Arbeiten wurden in vielen Ausstellungen gezeigt: BOZAR, Brüssel; Galeria Arsenal, Bialystok; Albumarte, Rom; Australian Centre for Photography, Sydney; Nederlands Fotomuseum, Rotterdam; Prager Biennale; Bunkier Sztuki, Krakau; Via Farini, Mailand; Utah Museum of Contemporary Arts und Moskauer Museum für moderne Kunst. Lucias Videos wurden erst kürzlich bei dem Prager Festival Fotograf und im Filmmuseum in Düsseldorf, bei der Ex Elettrofonica in Mailand und beim Now & After Festival in Moskau, Russland, gezeigt.

www.luco.sk