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Max Pinckers: „Red Ink”

Finalist 2018: Max Pinckers

In Singapur ist es gerade zu einem Treffen zwischen Donald Trump, USA, und Kim Jong-un, Nordkorea, gekommen, bei dem eine Vereinbarung unterzeichnet wurde, die wir möglicherweise einmal als „historisch“ ansehen werden. Vielleicht werden sich in dem isolierten asiatischen Land dereinst auch Fotografen nicht mehr subversiver Methoden bedienen müssen – wie jetzt noch Max Pinckers.

Nordkorea ist eines der abgeschottetsten Länder auf der Welt. Auch wenn man den Eindruck haben könnte, dass das Regime in letzter Zeit mehr Fotografen ins Land hineinlässt, ist unabhängiges Fotografieren höchstens dann möglich, wenn es dem Fotografen einmal gelingt, die Argusaugen der Aufpasser abzulenken, oder wenn sich zufällig eine Situation ergibt, die die Aufpasser so nicht haben kommen sehen. Pinckers war im Auftrag des Wochenmagazins „The New Yorker“ in Nordkorea, wo er auf dem Höhepunkt des Propagandastreits mit den USA im August 2017 den Journalisten Evan Osnos auf einer viertägigen Reise begleitete. Pinckers hatte sich von vornherein keinerlei Illusionen darüber gemacht, dass er mit seinen Aufnahmen einen Blick hinter die vom Regime aufgerichteten Kulissen werfen könnte. Stattdessen setzte er seinen Blitz wie bei einem Werbe- oder eben Propaganda-Shooting ein, um das Inszenierte der jeweiligen Situation zu verdeutlichen. 

„Ich wusste, dass es unmöglich sein würde, die Wirklichkeit hinter der Fassade des Regimes aufzudecken, deshalb habe ich eine Ästhetik gewählt, die dadurch, dass ich mit knalligem Kunstlicht gearbeitet habe, an Staatspropaganda und Werbung erinnert.“

Auf einem der Bilder in der von Pinckers „Red Ink“ genannten Serie, sehen wir sechs uniformierte Kinder in einer Realschule für Waisen, die, wohl in einem Sprachlabor aufgenommen, angestrengt in die Kamera blicken. Nur ein Junge in der ersten Reihe hält sich nicht an die Regieanweisung und hat den Blick gesenkt. „Es gibt eine Subversivität, die sich in derartig konstruierte Situationen schleicht, die man einfach nicht kontrollieren kann. Niemals kann man seiner Sache völlig sicher sein“, kommentierte Pinckers gegenüber dem „New Yorker“.

Max Pinckers

Der belgische Fotograf, 1988 in Brüssel geboren, erforscht in seinen Arbeiten die Strategien visuellen Erzählens in der Dokumentarfotografie. Er hat von 2008 bis 2012 an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Gent studiert und seither vier Bücher veröffentlicht und vielfach national und international ausgestellt. Er hat den Verlag Lyre Press gegründet und war bereits 2016 mit der Serie „Two Kinds of Memory and Memory Itself“ LOBA-Finalist.

Porträt: © Victoria Gonzalez-Figueras