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Turi (Salvatore) Calafato: „Amuninni 'u mari (Let's go to the sea)”

Finalist 2018: Turi (Salvatore) Calafato

Viele italienische Familien verbringen den Sommerurlaub an den Stränden im eigenen Land, an denen es vor allem um den Nationalfeiertag Ferragosto am 15. August sehr voll und lebhaft wird. In der Serie „Amuninni ’u mari“ (Geh’n wir an den Strand) hat Turi Calafato das Leben und Treiben an den Stränden Siziliens dokumentiert – heiter, zugewandt und farbenfroh.

Wie kamen Sie auf die Idee für die Serie „Amuninni ’u mari“?

Der 15. August markiert in Italien der Höhepunkt des Sommers. An diesem Tag sind die Strände wirklich sehr, sehr voll, einige Badegäste reisen sogar am Vorabend an. In der Nacht vom 14. auf den 15. August werden üblicherweise große Feuer am Strand gemacht, an denen sich die Menschen nach einem Mitternachtsbad aufwärmen können. An diesen Tagen, im Sommer 2013, begann ich, die Menschen am Strand zu fotografieren. Anschließend habe ich, wann immer ich konnte, die sizilianische Küste bereist.

Ihre Aufnahmen erzählen viel über die Gesellschaft und ihre Rituale. Wie denken Sie darüber?

Seit meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie immer an den Strand gegangen. Beim Fotografieren habe ich gemerkt, dass sich die Sommerrituale nicht verändert haben: Die Menschen spielen am Strand, Familien picknicken unter einem Sonnenschirm – ein Klassiker ist die Wassermelone, die zur Kühlung im Meer gelagert wird –, Paare jeden Alters sind da, manch einer macht ein Nickerchen … Über Jahre hinweg pflegen die Menschen die gleichen Rituale. Rituale halten uns als Gemeinschaft zusammen und bestärken unsere kulturelle Identität.

„Seit meiner Kindheit bin ich mit meiner Familie immer an den Strand gegangen. Beim Fotografieren habe ich gemerkt, dass sich die Sommerrituale nicht verändert haben.“

Was ist für Sie beim Fotografieren die größte Herausforderung?

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit: Ich versuche unsichtbar zu sein. Ich stelle mir vor, dass die Menschen vor dem Objektiv nicht ganz sie selbst sind, sondern für die Kamera schauspielern. Da ich nicht unsichtbar werden kann, versuche ich so unaufdringlich wie möglich zu sein, dann habe ich eine größere Chance, einen natürlichen und spontanen Augenblick einzufangen.

Gehen Sie in Ihrer Freizeit noch gern an den Strand?

Ja, ich bin unheimlich gerne am Meer, vor allem im Sommer. Wenn ich nicht fotografiere, ziehe ich aber kleine, einsame Strände den überfüllten vor.

Turi (Salvatore) Calafato

Seine fotografische Ausbildung besteht aus einem einzigen, 20-stündigen Grundkurs, den er im Sommer 2011 absolvierte. Seither ist der 1979 in Catania, Sizilien, geborene Autodidakt als Fotograf tätig. Er hat u.a. in der „Vogue Italia“, „Io Donna“ und „Il Fotografo“ veröffentlicht. Seine Aufnahmen waren in internationalen Gruppenausstellungen, beispielsweise beim World Press Photo Award oder beim Kaunas Photo Festival, sowie in Einzelausstellungen in Italien zu sehen.

Porträt: © Silvia Amodio