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LOBA 2025 in Mannheim. Interview with curator Stephanie Herrmann

Der LOBA 2025 in Mannheim präsentiert.
Interview mit der Kuratorin Stephanie Herrmann

Nach der erfolgreichen Premiere im letzten Jahr zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen im ZEPHYR – Raum für Fotografie ab dem 15. April 2026 eine Auswahl des LOBA-Jahrgangs 2025. Neben den beiden Gewinnerserien von Alejandro Cegarra und Serghei Duve wurden aus der Shortlist 2025 die Serien von Lynsey Addario, Arlette Bashizi, Gideon Mendel und Xiangjie Peng ausgewählt. Die rund 50 Arbeiten vermitteln die Bandbreite des LOBA und geben einen vielfältigen Einblick in globale Themen und aktuelle Tendenzen der zeitgenössischen Fotografie.

Wir sprachen mit Stephanie Herrmann, Leiterin und Kuratorin von ZEPHYR – Raum für Fotografie über die Ausstellung und ihre Arbeit als Kuratorin.

Bereits zum zweiten Mal präsentieren Sie im ZEPHYR – Raum für Fotografie der Reiss-Engelhorn-Museen eine LOBA-Auswahl. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Die Kooperation ist aus einer spontanen Idee während eines Ausstellungsbesuchs entstanden. Gemeinsam mit Sarah Strutwolf, die als Kulturmanagerin bei Leica tätig ist und auch den LOBA betreute, habe ich im Sommer 2024 die ZEPHYR-Ausstellung „La Vie des Blocs“ des Fotografen Jean-Michel Landon angeschaut. Danach standen wir noch im Atrium unseres Museumsneubaus zusammen, einem offenen, fast zehn Meter hohen Raum mit Lichtdecke. Hier kam die Idee auf, dass dieser Ort sich perfekt eignen würde, um eine Auswahl aus der LOBA-Shortlist zu zeigen. Ab da ging alles ziemlich schnell: Es folgte ein Zoom-Call mit Karin Rehn-Kaufmann, Art Direktorin und Generalbevollmächtigte der Leica Galerien International, und dem Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen, Prof. Dr. Wilfried Rosendahl. Wir waren uns schnell einig, dass wir diese Kooperation gemeinsam umsetzen wollen. Anfang April 2025 war der LOBA dann zum ersten Mal bei uns zu Gast und ist jetzt ein wunderbarer Neuzugang in unserem Ausstellungsprogramm.

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Sie können aufgrund der Größe der Ausstellungsfläche nicht alle Positionen eines LOBA-Jahrgangs zeigen – wie erfolgt die Auswahl, was sind Ihre persönlichen Präferenzen?

Da wir bei uns im Atrium mit einem mobilen Stellwandsystem arbeiten, war von Anfang an klar, dass wir uns hinsichtlich der gezeigten Anzahl der Arbeiten etwas einschränken müssen. Ich habe also jedes Jahr die Qual der Wahl, denn natürlich sind alle Serien der Shortlist absolut zeigenswert. Und natürlich spielen auch persönliche Faktoren eine gewisse Rolle, etwa wenn mich eine Serie besonders berührt, wie in diesem Jahr die Arbeit „Mom, I Want to Live“ von Lynsey Addario.

Bei meiner Auswahl möchte ich eine möglichst große Bandbreite des jeweiligen LOBA-Jahrgangs abbilden, sowohl was die verhandelten Themen betrifft als auch hinsichtlich der geografischen Kontexte, denn die weltweite Bandbreite der Einreichungen bietet die großartige Möglichkeit einer globalen Perspektive.

Wie wird das LOBA-Format in Mannheim wahrgenommen?

Mannheim ist seit jeher eine Stadt mit großer fotografischer Tradition und Strahlkraft. Daher wurde es sehr positiv aufgenommen, dass der LOBA jetzt in Mannheim Station macht. Auch das Format als Pop-up-Ausstellung, das Fotografie ganz unkompliziert außerhalb klassischer Ausstellungsräume erlebbar macht, kommt gut an. Das zeigt sich auch in der Resonanz der Besucherinnen und Besucher. Sie schätzen den LOBA nicht nur wegen der hochkarätigen Beiträge, sondern auch, weil er wie ein fotografisches Fenster auf das Weltgeschehen blickt. Die Arbeiten führen uns in Kriegs- und Krisengebiete, decken Auswirkungen der globalen Klimakrise auf und erzählen auch immer sehr persönliche Geschichten, die sonst wohl im Verborgenen bleiben würden.

Welche Rolle spielt die LOBA-Präsentation im Gesamtprogramm Ihres Hauses?

Seit mehr als 20 Jahren ist die Fotografie ein Schwerpunkt im Ausstellungsprogramm der Reiss-Engelhorn-Museen. Im Forum Internationale Photographie zeigen wir fotohistorische Ausstellungen, oft kuratiert aus oder mit eigenen Sammlungsbeständen, während die Galerie ZEPHYR – Raum für Fotografie ganz der zeitgenössischen Fotografie gewidmet ist. ZEPHYR versteht sich dabei als Ort der Auseinandersetzung und zeigt oft sozialkritische Ausstellungen, die Missstände sichtbar machen und bewusst den Finger in die Wunde legen. In diesem Sinne bereichert der LOBA das ZEPHYR-Programm auf ideale Weise. Gleichzeitig sind wir natürlich stolz und glücklich, einen der renommiertesten Preise der Fotografie bei uns präsentieren zu können.

Sie gehören auch zum Expertenteam der Nominatoren und sind an den Vorschlägen für den LOBA beteiligt. Was schätzen Sie an dieser Arbeit, und welche Auswahlkriterien haben Sie?

Ja, seit zwei Jahren gehöre ich zu den LOBA-Nominatoren, was ich als große Ehre und zugleich als beruflich wichtige und verantwortungsvolle Chance empfinde. Als Fotokuratorin habe ich das Privileg, über das Jahr hinweg viele Serien und Portfolios zu sehen, von denen mich manche sehr berühren und bei denen ich denke, dass sie unbedingt mehr Sichtbarkeit bekommen sollten. Eine Nominierung für den LOBA auszusprechen ist für mich deshalb eine tolle Möglichkeit, genau auf solche Arbeiten aufmerksam zu machen. Neben dem Inhalt spielt für mich aber auch immer die Bildsprache eine wichtige Rolle, die stimmig sein und die Aussage der Serie überzeugend tragen sollte.

Wie sieht die Zukunft der Fotografie aus Ihrer Sicht aus? Welche Bedeutung haben heute und zukünftig engagierte Arbeiten wie die des LOBA, der das Verhältnis von Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt stellt?

Die Wirkmächtigkeit von Fotografie ist größer als je zuvor. Umso mehr kommt Fotografinnen und Fotografen und ihren Arbeiten, wie sie im LOBA vertreten sind, eine bedeutende Rolle zu. Sie setzen dem schnellen, oft oberflächlichen und beliebigen Bildkonsum unserer Zeit klare Positionen entgegen, sind im besten Sinne unbequem und fordern dazu auf, hinzusehen, ein kritisches Bewusstsein zu entwickeln und Fragen zu stellen. In diesem Punkt erreicht Fotografie auf der visuellen Ebene oft mehr, als Worte und Texte es vermögen. Fotografie, insbesondere bildjournalistische wie sie der LOBA zeigt, ist eben nie nur ein künstlerischer Akt, sondern immer auch ein politischer.
 

Die Ausstellung Zu Gast: Der Leica Oskar Barnack Award in den Reiss-Engelhorn-Museen läuft bis zum 14. Juni 2026.

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Stephanie Herrmann

An den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim betreut Stephanie Herrmann den Bereich Fotografie. Nachdem sie seit 2015 zunächst als wissenschaftliche Sammlungsleiterin des Forums Internationale Photographie tätig war, ist sie seit Oktober 2025 dessen Leiterin. Darüber hinaus ist sie seit Juni 2022 Leiterin und Kuratorin von ZEPHYR – Raum für Fotografie, der Galerie für zeitgenössische Fotografie an den Reiss-Engelhorn-Museen.

Sie wurde 1976 in Bochum-Wattenscheid geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte, europäischen Ethnologie und Soziologie in Münster, Siena und Regensburg führte sie ein wissenschaftliches Volontariat an die Reiss-Engelhorn-Museen, wo sie seitdem an der Realisierung zahlreicher nationaler und internationaler Ausstellungsprojekte mitgewirkt hat.

Porträt: © rem/Rebecca Kind