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Kiana Hayeri und Mélissa Cornet – No Woman’s Land

Kiana Hayeri und Mélissa Cornet – No Woman’s Land

Im Mittelpunkt ihrer Gewinnerserie des LOBA 2022 „Written on the Ice, Left in the Sun“ stand der Alltag der Menschen in Afghanistan nach dem Abzug westlicher Truppen. Schon damals zeigte sich, wie radikal vor allem die Rechte und Freiheiten für Frauen und Mädchen durch das Regime der Taliban eingeschränkt wurden. In ihrem neuesten Bildband widmet sich die Fotografin gemeinsam mit der Autorin Mélissa Cornet nun erneut der Lebensrealität der Frauen in Afghanistan.

No Woman’s Land dokumentiert sehr persönliche Geschichten von Frauen, die stellvertretend für die systematische Unterdrückung stehen. Im Jahr 2024 reiste die Fotografin Kiana Hayeri zusammen mit der Autorin und Journalistin Mélissa Cornet durch sieben Provinzen Afghanistans. Gemeinsam haben sie über 100 Interviews mit Frauen und Mädchen geführt, denen der Schulbesuch verwehrt ist und die in ihren Häusern eingesperrt sind, mit Journalistinnen und Aktivistinnen, die weiterhin für ihre Rechte kämpfen, mit Müttern, die mit ansehen müssen, wie sich die Geschichte für ihre Töchter wiederholt, und mit LGBTQI+-Personen, deren Existenz stillschweigend ausgelöscht wird. Dokumentiert wird die systematische Aushöhlung der grundlegendsten Rechte der Frauen durch die Taliban: das Recht auf Bildung, Arbeit, Bewegungsfreiheit, Freizeit und sogar auf so alltägliche Orte wie Parks oder Schönheitssalons. In über 80 Erlassen der Taliban wurden die Rechte von Frauen immer weiter eingeschränkt. Sie müssen ihr Gesicht verhüllen, immer von einem Mann begleitet sein, dürfen ihre Stimme niemals in der Öffentlichkeit erheben. Die Liste der Verbote ist lang und wird immer länger: „Eine Frau in Afghanistan zu sein bedeutet heute, in Abwesenheit zu leben: ungesehen, ungehört“, so die Buchautorinnen. Mit ihren Bildern und Interviews versuchen sie, den Frauen Sichtbarkeit zu geben und ihre Schicksale öffentlich werden zu lassen. Gezeigt wird nicht nur der unfassbar schwierige Alltag, sondern die Autorinnen verstehen ihr Buch auch als ein Zeugnis der Widerstandsfähigkeit und des Mutes derjenigen, die ihn durchleben.

Deutlich wird auch: Das kollektive Versagen der internationalen Gemeinschaft liegt nicht nur im überstürzten Rückzug von 2021, sondern auch in ihrer anhaltenden Untätigkeit und stillschweigenden Akzeptanz der Situation, mit der afghanische Frauen bis heute konfrontiert sind. „Doch die Geschichte der afghanischen Frauen ist die Geschichte aller Frauen überall auf der Welt, die durch ihren täglichen Kampf gegen unerbittliche Angriffe auf ihre Rechte vereint sind“, sagen die Autorinnen. „Im heutigen Afghanistan können Frauen weder leben noch das Land verlassen. Wir können und müssen mehr tun, um sie zu unterstützen. Ihr Kampf, unser Kampf, ist noch lange nicht vorbei“, lautet der eindringliche Aufruf am Ende des Buchs.

Der in mehrere Kapitel unterteilte Bildband enthält exklusive, bisher unveröffentlichte Fotos, ergänzt durch Archivbilder, Polaroid-Kunstwerke, Skizzen und Gemeinschaftsarbeiten, die mit afghanischen Teenagerinnen entstanden sind. Darüber hinaus bietet er umfangreiches Begleitmaterial, darunter historische Hintergründe und Archivdokumente.

Seit seiner Veröffentlichung hat No Woman’s Land bereits mehrere internationale Auszeichnungen erhalten, darunter einen World Press Photo Award, zwei Pictures-of-the-Year-International-Preise (einen für den ersten Platz in der Kategorie „Issue Reporting Picture Story“) und einen Amnesty International Media Award. 

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No Woman’s Land

No Woman’s Land ist eine Gemeinschaftsveröffentlichung von Raya Editorial, Kiana Hayeri (Fotografien) und Mélissa Cornet (Texte, Zeichnungen und Polaroids).
268 Seiten, 162 Farbabbildungen und 11 Illustrationen, 16,5 × 23 cm, Englisch, Raya Editorial 

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© Kiana Hayeri für die Fondation Carmignac