Xiangjie Peng: The Rise of Queer Underground Party Culture in China
Der chinesische Fotograf wuchs inmitten der Kulturrevolution in China (1966–1976) in einer von der Luft- und Raumfahrtindustrie geprägten Stadt auf. Aus Unterforderung bei seinem Job in der Fertigung einer Flugzeugwerft kam er als Autodidakt zur Fotografie, die für ihn ein subtiles Gegenmittel zur staatlich gelenkten Medienmanipulation darstellt.
„Schon in meiner Kindheit sehnte ich mich nach der Außenwelt“, bekennt Xiangjie Peng. In seiner Jugend war die unter Mao Zedong initiierte Kulturrevolution dominierend, eine politische und soziale Kampagne mit ihren tiefgreifenden Veränderungen von Kultur und Gesellschaft. Die Zielsetzung hieß, „bürgerliche“ und „konterrevolutionäre“ Elemente in der Gesellschaft auszurotten und die „reine kommunistische Lehre“ zu bewahren. Die Auswirkungen auf die chinesische Gesellschaft waren massiv – und wirken in vielerlei Hinsicht bis heute nach. China war in der darauffolgenden Ära Deng Xiaopings in das Anfangsstadium der „Reform und Öffnung“ eingetreten, und die brutalen Jahre der Kulturrevolution waren zu Ende, sodass allgemeine Entspannung und in der Nachfolge einige Befreiung von Normen und Individualisierunen einsetzten.
„In den mehr als drei Jahrzehnten meiner fotografischen Praxis, die sich über Chinas größte Umwälzungen erstreckten, habe ich die seismischen Verwerfungen des Landes miterlebt.“
Nach einem eher hobbymäßigen Start mit der Fotografie in den 1980er-Jahren – zu einer Zeit, als Kameras in China zu den Luxusgütern zählten – begann Peng 1993, als Fotograf in der Werbeabteilung eines Luft- und Raumfahrtunternehmens zu arbeiten, in der er Imagekampagnen entwarf. „Als ich mit der Fotografie anfing, war ich ziemlich orientierungslos, da sich das Medium in China noch in einem relativ elementaren Stadium befand. Es gab jedoch eine Gruppe von Fotografen in meiner Heimatstadt Xi’an, die sich Shaanxi Photography Group nannte und zu dieser Zeit sehr bahnbrechend und einflussreich in der chinesischen Fotografie war. Ihre Förderung der Dokumentarfotografie im Kontext der chinesischen Realität war ein starker Schock und eine Inspiration für mich.“ Die Shaanxi Photography Group zählt Peng in der Anfangsphase seiner Praxis zu den stärksten Einflüssen auf seine fotografische Herangehensweise. Für Peng ist es nicht einfach, seinen Beruf auszuüben, da die chinesische Gesellschaft starker staatlich gelenkter Beeinflussung unterliegt. „Was die politische Ideologie betrifft, so befindet sich mein Land nach wie vor in einer sozialistisch-kommunistischen Entwicklungsphase. Hier waren Subkulturen schon immer ein Phänomen, das nicht zum Mainstream gehört und nicht einmal gefördert wird, da die vorherrschende Kultur weiterhin Werte fördert und aufrechterhält, die in den ‚roten Genen‘ verwurzelt sind. Es ist kaum zu glauben, dass viele Themen, auf die ich mich in meiner Fotografie konzentriere, in China keine Plattformen zur Veröffentlichung oder Ausstellung haben; einige sind sogar verboten. Dennoch glaube ich, dass ich durch den Akt des Fotografierens den gegenwärtigen Zustand der nicht dem Mainstream angehörenden Gruppen und Subkulturen in dieser chinesischen Ära dokumentiere – dies allein macht den Wert und den Sinn meiner Existenz aus. Diese Überzeugung verlangt von mir, mit äußerster Vorsicht zu leben und zu fotografieren.“
„Oft sind meine fotografischen Anliegen eng mit persönlichen Wachstumserfahrungen, Erinnerungen und sogar Traumata verwoben, die meine Kamera steuern.“
Mittlerweile ist Peng seit mehr als 30 Jahren als Fotograf tätig. Er gibt preis, dass das Medium zu einem facettenreichen Spiegelbild seiner Lebenserfahrungen geworden ist. „China ist ein sich schnell veränderndes Land, und die Fotografie führt mich an Orte, die sich noch wie Träume anfühlen, eine Erfahrung, in der die Vergangenheit mit der Gegenwart verschmilzt. Diese fotografische Reise hat es mir ermöglicht, ein wunderbares Leben zu führen.“
Vorgeschlagen wurde Xiangjie Pengs Serie von Shi Hantao, der in diesem Jahr zur Gruppe der internationalen LOBA-Nominatoren gehörte.

Xiangjie Peng
Geboren 1961 im Bezirk Yanliang, Xi’an, China. Er ist Autodidakt und begann in den frühen 1990er-Jahren mit der Fotografie. Seine Arbeit konzentriert sich auf Subkulturen, die er sowohl dokumentarisch als auch konzeptionell fotografiert. Im Lauf seiner Karriere war er Fotograf für die Document China Photo Agency, Berater für die Gucang Contemporary Image Gallery (Gucang Contemporary Art Organization) und Berater für das Asia Pioneer Photographer Program (Dali International Photography Festival). Seine Werke wurden in ganz China, Indien, Malaysia, Australien und Europa ausgestellt.
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Porträt: © Michela Forte