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Damir Faizulin

Damir Faizulin: Preserving Nature as Preserving Ourselves

Der russische Fotograf lenkt in seiner Serie den Blick auf die Natur, die Menschen und die Lebensbedingungen in den Bergen Dagestans, einer Region gelegen im Nordkaukasus im Süden Russlands. Durch jahrelanges eigenes Erleben kann er in ausgewählten Bildpaaren die gegenwärtigen Umbrüche verdeutlichen. Mit den fortschreitenden Veränderungen verschwindet nicht nur die Natur, sondern auch die Traditionen und die gewachsene kulturelle Identität des Landes.

Die Ruinen eines verlassenen Bergdorfs treffen auf das Stahlbetongerüst eines neuen Einkaufzentrums. Dorffrauen tragen traditionelle Kopftücher, daneben ein Mädchen, dessen Mantel ein Chanel-Logo ziert. Die Serie des russischen Fotografen lebt von Gegensätzen, die er entsprechend in Bildpaaren vorstellt. Sie changieren zwischen Ideal, Vergangenheit und Realität. Auf der einen Seite Menschen, die im Einklang mit der Natur und Tradition leben, auf der anderen Seite Umweltzerstörung und der Verlust jahrhundertealter Konventionen. Der Fotograf dokumentiert, ohne zu verurteilen, ist sich aber seiner Rolle als Chronist einer Region im Umbruch bewusst, die er in beeindruckenden Bildern feiert: „Die künstlerische Form hat für mich eine besondere Bedeutung, weil sie es mir ermöglicht, in einer realen Szene nicht nur ein Ereignis, sondern auch ein Bild zu sehen; nicht nur eine Tatsache, sondern auch einen Seinszustand; nicht nur Information, sondern auch die innere Struktur des Lebens“, sagt Faizulin.

„Zunächst einmal sehe ich mich als engagierten Beobachter und erst in zweiter Linie als dokumentierenden Fotojournalisten. Mein langjähriges Eintauchen in das Umfeld hat mir geholfen, nicht nur ein außenstehender Beobachter zu bleiben.“

Ausgangspunkt seiner Serie ist die Bergregion Dagestans, eines der ethnisch vielfältigsten Gebiete Russlands. Mehr als 40 Volksgruppen sind in der Kaukasusregion vertreten, von denen jede über ein unverwechselbares kulturelles Erbe und eine eigene Sprache verfügt. Als Tourist entdeckte er 2020 erstmals die Schönheit Dagestans. Da ihm rasch klar wurde, dass er das Wesen der Region nicht während eines kurzen Aufenthalts vermitteln kann, entschloss er sich, ein langfristiges Projekt zu entwickeln, „um die Dynamik des Lebens und des Wandels zu erkennen. Deshalb bin ich 2021 nach Dagestan gezogen, um die Region eingehender zu erforschen. Der Umzug gab mir die Möglichkeit, einen natürlichen Kontakt zu den Menschen aufzubauen. Ich wollte die Faktoren erforschen, die den Charakter der Bergbewohner prägen: wie eine bestimmte Umgebung die Kultur und den Charakter eines Menschen bestimmt“, so Faizulin, der sich sicher ist, „dass ein Mensch untrennbar mit der Geografie des Ortes verbunden ist, an dem er sein Alltagsleben aufbaut und an dem er selbst geformt wird.“ 

„Für mich ist es wichtig, einen Ort nicht nur zu sehen, sondern auch lange genug darin zu leben, um seinen Rhythmus zu verstehen.“

In seiner Serie ist die Landschaft nicht mehr nur Kulisse – sie wird zur vollwertigen Hauptfigur, zu einer stillen Mitautorin des menschlichen Schicksals. In diesem fragilen Gleichgewicht zwischen Stein und Mensch liegt seine zentrale ökologische Erkenntnis: „Indem wir die Natur zerstören, zerstören wir uns selbst.“ Daraus interpretiert er auch seine Vorbildfunktion als Fotograf: „Dokumentarfotografie aus abgelegenen Regionen hilft Menschen aus anderen Teilen der Welt oder sogar aus anderen Teilen desselben Landes, das zu sehen, was in ihrem Alltag normalerweise unzugänglich, unklar oder unsichtbar ist,“ erläutert Faizulin. „Sie liefert mehr Informationen und kann dadurch mehr Toleranz und Verständnis gegenüber Menschen aus anderen Kulturkreisen oder Regionen schaffen. Dies ist besonders relevant in multiethnischen Ländern mit erheblicher Migration.“

Vorgeschlagen wurde Damir Faizulins Serie von Mustafah Abdulaziz, der in diesem Jahr zur Gruppe der internationalen LOBA-Nominatoren gehört.

Damir Faizulin

wurde 1986 in Usbekistan geboren. Seine Mutter sprach Farsi und Turksprachen, war Lehrerin für Russisch und Deutsch und unterrichtete in Tadschikistan. Sein Vater war Ingenieur. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zog die Familie nach Russland. Bis zum Alter von 33 Jahren widmete sich Faizulin erfolgreich seiner Karriere als Kampfsportler und Profi-Wrestler. Danach besuchte er Fotografie-Workshops bei dem Dokumentarfotografen Dimitry Markov in Kaliningrad. Seit 2020 arbeitet er an freien Projekten. 

Porträt: © Anna Zakharova