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Leica Oskar Barnack Award 2004: Peter Granser „Coney Island“

Preisträger 2004: Peter Granser

Für sein Fotoprojekt „Coney Island“ hat der 1971 geborene Fotograf Peter Granser den Leica Oskar-Barnack Award 2004 erhalten. Der mit 5.000 Euro dotierte Award für Bildjournalismus wird von der Leica Camera Gruppe in Zusammenarbeit mit dem Festival ‚Rencontres de la Photographie’ im südfranzösischen Arles vergeben.

Das im 19. Jahrhundert entstandene Vergnügungszentrum Coney Island sollte ein Amerika der Zukunft, ein technisches Wunderland direkt am atlantischen Ozean sein. In den Vergnügungsparks wie ‚Dreamland’ und ‚Luna Park’ entstand ein neues Freizeitverhalten der Massen. Die einst mondäne Flanier- und Amüsiermeile hat sich in den letzten Jahrzehnten jedoch zu einem schmuddeligen, von Unkraut und Rost verhüllten Ort gewandelt. Gransers Fotografien zeigen nicht nur die nach Zerstreuung suchenden Großstadtmenschen in ihrer artifiziellen Umwelt. Die Auseinandersetzung mit dem liebenswert-morbiden Charme von Coney Island ist aus seiner Sicht auch ein Portrait des amerikanischen ‚way of life’. „In den ruhigen, aufmerksam beobachteten Farbaufnahmen spiegeln sich die Träume der kleinen Leute und die Utopien der Vergangenheit wider. In dem melancholischen Freizeit-Eldorado werden sie aber zu leeren Illusionen. Der fotografische Autodidakt Peter Granser trifft mit seiner Arbeit den Kern der Wettbewerbsthematik des Leica Oskar-Barnack Award, in dem er die Beziehungen von ‚Mensch und Umwelt’ treffsicher analysiert“, so Gero Furchheim, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation der Leica Camera AG über das Werk Peter Gransers.

Die Jury des Leica Oskar-Barnack Award hat zudem zwei ehrenvolle Erwähnungen vergeben. Martin Kollar, Mitglied der Agence Vu, wurde für seine fotografische Reise „Nothing Special“ durch verschiedene Länder Osteuropas ausgezeichnet. Prämiert wird zudem das Projekt ‚Hotel Marinum’ des Magnum-Fotografen Alex Majoli.

Peter Granser

Peter Granser begründete mit seinem ersten Projekt „Sun City“ einen neuen Stil der Dokumentarfotografie und entwickelte seine Arbeiten seitdem erfolgreich weiter. Granser ist Autodidakt und wurde 2002 mit dem Arles Discovery Award, 2004 mit dem Oskar Barnack Preis und 2011 mit dem Förderpreis der Helmut-Kraft-Stiftung ausgezeichnet. 2006 war er Stipendiat der Kunststiftung Baden-Württemberg. Inspiriert durch seine Aufenthalte in China und Japan gründete Granser 2015 den freien Projektraum ITO, wo er mit künstlerischen Positionen experimentiert, bei denen es um Themen wie Zeit, Leere, Natur und Bewusstsein geht.

Die Arbeiten von Granser werden in öffentlichen Sammlungen gezeigt und wurden unter anderem im Museum of Contemporary Photography in Chicago, im FOAM Amsterdam, im Fotomuseum Winterthur, in der Kunsthalle Tübingen und der NGBK in Berlin ausgestellt. Er veröffentlichte sieben Bücher. Ein achtes ist für 2017 geplant („Heaven in Clouds“ bei der Edition Taube).

www.granser.de