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Leica Oskar Barnack Award 2006: Tomas Munita „Kabul - Leaving the Shadows“

Preisträger 2006: Tomas Munita

Mit seiner Fotoreportage „Kabul - Leaving the Shadows“ hat der chilenische Fotograf Tomas Munita den renommierten Leica Oskar-Barnackt Award 2006 gewonnen. Das ‚Verlassen des Schattens’ bestimmt seine Arbeit in zweifacher Weise: Formal in der Konzentration auf Zwielichtstimmungen und inhaltlich als Beschreibung der Lebenssituation der afghanischen Bevölkerung.

Nicht Gewalt und Elend, sondern friedvolle und freudige Momente einer langsam beginnenden Normalität stehen im Vordergrund der Aufnahmen des 1975 in Santiago de Chile geborenen Reporters. Ruinen, Kriegsschäden oder Munitionsreste in einem Teil der Aufnahmen erscheinen hierzu nebensächlich, bilden aber einen starken, nicht nur visuellen Kontrast. In der Tagesdämmerung oder im Halbdunkel der Innenräume kämpfen zudem Licht und Schatten um die Vorherrschaft und geben den Aufnahmen eine besondere Intensität der Farben. Beide Kontraste von Licht und Schatten im Zusammenspiel – metaphorisch und tatsächlich – machen die Aufnahmen zu einer besonders treffenden Beschreibung des Verhältnisses von Mensch und Umwelt, wie das Wettbewerbsthema des Preises aus dem Kulturprogramm der Leica Camera Gruppe lautet. Entstanden ist die Arbeit im Kontext der längerfristigen fotojournalistischen Arbeit Munitas im Auftrag der Nachrichtenagentur The Associated Press in Afghanistan. „Die zwischen März und November 2005 entstandenen Aufnahmen zeigen, dass das Medium Fotografie über die rein nachrichtliche Vermittlung der Aktualität hinaus Kraft hat: Mit seinem Essay analysiert der Beobachter Munita die Situation Afghanistans und verdichtet sie visuell. Die besondere Leistung des Preisträgers ist, aus einer journalistischen Auftragssituation heraus eine persönliche Ästhetik weiter zu entwickeln.

Zugleich dokumentiert die Serie, in welchem Maße auch Nachrichtenagenturen fotografische Spitzenleistungen ermöglichen können, wenn beispielsweise durch die Langfristigkeit der Entsendung hierzu der Rahmen gegeben wird“, so der für die Kulturprojekte der Leica Camera AG verantwortliche Bereichsleiter Unternehmenskommunikation, Gero Furchheim.

Eine ehrenvolle Erwähnung im Leica Oskar Barnack Award 2006 ging an den Amerikaner James Whitlow Delano. Der in Japan lebende Fotograf setzt sich in dem persönlichen Langzeitprojekt „Japan Mangaland“ visuell mit seinem Gastland auseinander.

Tomas Munita

Tomas Munita hat von 1994 bis 1997 Fotografie studiert. Von 1998 bis 2000 arbeitete er für die Tageszeitung El Metropolitano in Santiago und danach bis 2003 für The Assiocated Press mit einem Fokus auf Lateinamerika. Bis zu seiner Entsendung nach Kabul setzte er Projekte im Eigenauftrag um, darunter eine einjährige Reportagereise in Südasien. 2003 hat er an der Joop Swart Masterclass von World Press Photo in Amsterdam teilgenommen. 2005 wurde er von dem International Center of Photography in New York mit dem ICP Young Photographer Infinity Award ausgezeichnet. Seit Februar 2006 arbeitet Munita in seiner Heimatstadt Santiago de Chile als freier Fotograf.

www.tomasmunita.com