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Mustafah Abdulaziz: „Water“

Preisträger 2019: Mustafah Abdulaziz

An Wasser als universellem Thema arbeitet Mustafah Abdulaziz seinen Anspruch an eine monumentale Serie ab. Seit mehr als acht Jahren ist er weltweit auf der Suche nach Bildern, die, mal auf metaphorische, mal auf plakative Art darstellen, was Wasser bedeuten kann. In der Reflexion über die Arbeit an der Serie gibt Abdulaziz Einblicke in seine Gedankenwelt und erzählt, wie es zu dem Projekt kam.

„Das Langzeitprojekt ‚Water‘ berichtet, wie Menschen mit der Natur interagieren und was das für unsere Zivilisation und unsere Zukunft bedeutet. In diesem Sinne ist es mein erstes Vorhaben von solcher Größenordnung. Mein visueller Ansatz für die Arbeit zum Thema Wasser lässt sich in Perspektive und Maßstab auf Naturalismus und Simplizität reduzieren. Ich bin äußerst vorsichtig mit unnötiger Komplexität und versuche, die Zahl der Werkzeuge, die ich benutze, zu beschränken, damit sich kreative und meiner Meinung nach ehrliche Methoden zur Verfolgung eines Themas entwickeln, das jeden Aspekt der menschlichen Existenz abdeckt.“

„Dieses Projekt ist mein Weg, die Welt zu erkunden.“

„Praktisch bedeutet das, dass es für mich am wichtigsten ist, ein persönliches Ethos zu haben und daran zu glauben, wie ich Dinge visualisiere. In welcher Entfernung von einem Motiv fühle ich mich wohl und warum? Aus welcher Entfernung zeigt mein Foto, was für das Geschehen elementar notwendig ist und wann schlägt es fehl? Fotografien haben von Natur aus das Potenzial, schön zu sein, damit bin ich vorsichtig. Es muss mit etwas anderem in Einklang gebracht werden, was den Inhalt und den Aufbau angeht, sonst glaube ich nicht daran, und wenn ich nicht daran glaube, kann ich das auch nicht vom Betrachter erwarten. Für die Bilder in ‚Water‘ bedeutet das, dass ich jeden Teil meiner visuellen Herangehensweise immer wieder neu evaluiere. Es muss einen kontinuierlichen und organischen Entdeckungsprozess ergeben. Dieser muss manchmal scheitern, weil dieses Scheitern während des Experimentierens meine Befreiung ist; sie eröffnet mir neue Wege, die ich sonst nie beschreiten würde.

Ich inszeniere keine Menschen. Dafür gibt es zwei Gründe. Der erste ist ganz einfach: Ich bin einfach nicht sehr gut darin. Der zweite ist, dass es nicht in meine Perspektive passt. Ich möchte beobachten, wie ich am Leben der Menschen teilnehme, als Person und nicht als Fotograf. Die Kamera und die Realität, die ich fotografiere, sind eher nebensächlich. Was für meine Fotos wichtig ist, ist dieser Rhythmus oder Tanz. Ich weiß nicht, wie ich anders fotografieren soll. ‚Water‘ ist mein Weg, die Welt zu erkunden, auf relevante und verantwortungsvolle Weise teilzuhaben und einem überwältigend großen, aber immens wichtigen Thema Bedeutung zu verleihen. Ich mache diese Arbeit nicht nur, weil sie mir große Erfüllung bringt, sondern weil sie notwendig ist. Unsere Beziehung zum Planeten könnte die wichtigste Angelegenheit unserer Zeit sein.“

Mustafah Abdulaziz

1986 in New York geboren, studierte Abdulaziz Publizistik und Politikwissenschaft, schloss das Studium aber nicht ab. Als Fotograf ist er Autodidakt. 2011 zog er nach Berlin, nachdem er als erster Vertragsfotograf für das „Wall Street Journal“ gearbeitet hatte. Sein langjähriges Projekt „Water“, an dem er seit mehr als acht Jahren arbeitet, wurde von den Vereinten Nationen, WaterAid, WWF, VSCO und Google unterstützt. Veröffentlicht wurde es im „Spiegel“, „Guardian“, „New Yorker“ und in „Time“.

Porträt: © Philip Montgomery