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Mikhael Subotzky

Was macht eigentlich … Mikhael Subotzky

2009 gewann der südafrikanische Fotograf Mikhael Subotzky den Leica Oskar Barnack Award mit seiner Strecke Beaufort West. In der südafrikanischen Kleinstadt leben 37.000 Einwohner, die Hauptverbindungsstraße zwischen Johannesburg und Kapstadt zerschneidet Beaufort West in zwei Teile. Ein Gespräch über die wichtigsten Projekte der letzten zehn Jahre und Tipps für Nachwuchsfotografen.

Sind Sie seit 2009 wieder in Beaufort West gewesen? Was hat sich verändert?

Ich bin einige Male dort gewesen, um Leute zu besuchen, die ich fotografiert hatte. Mein damaliger Assistent Major ist ein guter Freund geworden. Es hat sich nicht viel verändert, es ist noch immer die lebhafte, aber verarmte Stadt, die ich kennengelernt habe. Unglücklicherweise herrscht in diesem Gebiet eine große Dürre, sodass die Bewohner ernsthaft unter Wassermangel leiden.

Beim Leica Oskar Barnack Preis gewinnt eine Serie. Welche Rolle spielt für Sie die Serie in Hinsicht auf das einzelne Bild?

Für mich sind Serie und Einzelbild immer gleich wichtig. Ich strebe das Unmögliche an – dass jedes Bild für sich selbst stehen kann und zugleich ein perfektes Puzzleteil ist. Wenn man in puncto Perfektion nicht erfolgreich ist, ist es ein Seiltanz zwischen den Bedürfnissen des einzelnen Bildes und der Serie. Man balanciert und balanciert und hat dann hoffentlich ein Ergebnis, bei dem beide, Einzelbild und Serie, stark genug sind und man die Spannung im positiven Sinne spürt.

Was waren Ihre wichtigsten Projekte in den letzten zehn Jahren?

Ich habe zusammen mit Patrick Waterhouse das Projekt Ponte City geschaffen, das nächstes Jahr im San Francisco Museum of Modern Art präsentiert wird. Es geht um ein ikonisches Apartmenthaus in Johannesburg. Über einen Zeitraum von sechs Jahren haben wir das Gebäude und seine Bewohner fotografiert. Außerdem habe ich die Wanderausstellung Retina Shift konzipiert, zu der auch meine erste Filmarbeit gehört, Moses and Griffiths. Mein zweiter Film heißt WYE. (http://www.subotzkystudio.com/works/wye/)

Woran arbeiten Sie gerade?

Ich arbeite an einer Ausstellung in der Goodman Gallery in Johannesburg, die am 18. Mai startet. In den letzten sechs Jahren habe ich systematisch Bilder auseinandergenommen, um ihr „Inneres“ zu entdecken und ihre repräsentative Funktion aufzudecken. Dabei handelt es sich sowohl um gefundene als auch um eigene Fotografien. Ich habe sie radikal rekontextualisiert, zerschmettert, in der Mitte durchgeschnitten und in eine Form gebracht, die ich als eine ehrlichere Widerspiegelung dieser Bilder ansehe als ihre ursprüngliche Form. In den letzten zwei Jahren habe ich auch Gemälde auf Papier und Leinwand dazu genommen. Diese Arbeiten werden den Kern der Ausstellung bilden.

Was wünschen Sie sich von den zukünftigen Gewinnern des Leica Oskar Barnack Award? Und welche Tipps geben Sie den Nachwuchsfotografen mit auf den Weg?

Ich interessiere mich immer für die Arbeit der neuen Generation von Fotografen und möchte gerne alles sehen, was mich überrascht. An die jungen Fotografen: Fotografiert so viel ihr könnt, lest so viel ihr könnt, geht immer wieder auf Distanz und denkt so viel nach, wie ihr könnt. Viel mehr ist es wirklich nicht!

Mikhael Subotzky

Mikhael Subotzky wurde 1981 in Kapstadt geboren. Derzeit lebt er in Johannesburg. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Erzählstrukturen und ihren Darstellungsweisen sowie den formalen Möglichkeiten des Fotografierens.